Wenn ich von dem "Jetzt" spreche, ist das eigentlich schon eine Lüge, denn es ist sofort vorbei. Ich war noch nie älter als jetzt. Und jetzt. Und jetzt. Versteht ihr, was ich meine? Es lässt sich nicht aufhalten. Wir werden älter, alles verändert sich und vergeht eines Tages. Wir Menschen haben dieser mysteriösen Kraft, diesem unermüdlichen Weiterlaufen der Veränderung einen Namen gegeben. Es ist die Zeit.
Sie vergeht, da können wir gar nichts dagegen tun. Als Kind scheint sie wahnsinnig langsam zu gehen, viele wünschen sich, auch bald groß zu sein und Dinge zu tun, die Kinder eben nicht tun können. Und dann ist man eines Tages "groß" und alles, was von der Kindheit übrig ist, sind vereinzelte Erinnerungsstücke und naürlich man selbst. Denn ob es um das vierjährige Julchen geht, das ihre Mama voll Ernsthaftigkeit fragt, ob das Christkind eigentlich nachtaktiv sei, oder um die erwachsene Frau, die ich irgendwann mal sein werde: Ich bin immer ich.
Zeit vergeht, Dinge wandeln, Entscheidungen werden getroffen - das Leben verändert sich. Ich aber bin immer Jule. Ich wünsche mir sehr, dass ich als Siebzigjährige immer noch sagen werde: "In mir steckt das Kind von einst. Ich bin das Kind von einst, ich bin Julchen." Jeder ist einmal Kind gewesen. Ob er sich noch aktiv daran erinnert, ist eine andere Frage. Es wäre wohl schön, wenn es mehr Leute täten.
Aber wisst ihr was? Ich denke, jeder von uns hat diese Fähigkeit. Ich denke, die Kinder im Inneren der allermeisten Leute leben immer noch und ab und an blitzen sie durch die müden und alt gewordenen Augen. Wie durch ein Wunder scheint das ganze Gesicht zu leuchten, all der Frust löst sich in ein offenherziges Lächeln auf und jeder kann es sehen: Das Kind von einst, das wir immer noch sind.
D I E V E R G A N G E N H E I T - S I E W I R D U N S B E G L E I T E N B I S I N D I E E W I G K E I T .
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Donnerstag, 24. März 2011
Montag, 21. März 2011
ICH BIN DER HERR MEINER HANDSCHELLEN
Ich fühle mich gut. Mag man mir vielleicht nicht sofort glauben, wenn man meine letzten drei Artikel gelesen hat, aber es ist so. Gerade der letzte Artikel war mehr eine Gedankenspielerei, eine Sammlung an wunderbaren Zitaten und eine Erinnerung daran, was hinter jedem von uns liegt und auch auf jeden von uns noch wartet.Doch jetzt bin ich erstmal in der Gegenwart. Hier und jetzt, Montag Abend im Wohnzimmer und so müde, dass ich nur die Augen kurz schließen müsste, um sofort zu schlafen.
Ich bin sechzehn, sitze momentan nicht ganz so gemütlich und schreibe. Ich höre auch Musik nebenher und trage Socken, was mich enorm stört. Einen Moment, bitte.
So, jetzt ist es besser. Ich schlafe auch niemals mit Socken. Das liegt teils natürlich daran, dass ich generell ziemlich viel Wärme in mir habe und mir viel zu langsam kalt wird, aber auch daran, dass ich mich eingesperrt fühle.
Ich habe mal gehört, das habe was mit dem Kreislauf zu tun und mit dem Blut, das durch die Socken ein wenig am Fluss gehindert wird, doch bin ich mir da nicht so sicher. Es liegt vielleicht auch daran, doch kenne ich meinen verkopften Kopf gut genug, um eine weitere Erklärung zu haben.
Mit Uhren und Armbändern geht es mir nämlich gleich. Fühle ich mich eingeengt, unfrei und beschränkt, mache ich einfach mein Handgelenk frei und fühle mich um Welten besser. Warum ich überhaupt erst was an meinen Arm dran mache, wenn es mich ab und zu so sehr stört? Nun, das ist ganz einfach. Würde ich nämlich nichts anziehen, hätte ich auch nichts zum ausziehen, um mich dadurch besser zu fühlen.
D A S I S T W I E W E N N M A N S C H L A F E N G E H T , U M M O R G E N S W I E D E R A U F Z U S T E H E N .
Ich bin sechzehn, sitze momentan nicht ganz so gemütlich und schreibe. Ich höre auch Musik nebenher und trage Socken, was mich enorm stört. Einen Moment, bitte.
So, jetzt ist es besser. Ich schlafe auch niemals mit Socken. Das liegt teils natürlich daran, dass ich generell ziemlich viel Wärme in mir habe und mir viel zu langsam kalt wird, aber auch daran, dass ich mich eingesperrt fühle.
Ich habe mal gehört, das habe was mit dem Kreislauf zu tun und mit dem Blut, das durch die Socken ein wenig am Fluss gehindert wird, doch bin ich mir da nicht so sicher. Es liegt vielleicht auch daran, doch kenne ich meinen verkopften Kopf gut genug, um eine weitere Erklärung zu haben.
Mit Uhren und Armbändern geht es mir nämlich gleich. Fühle ich mich eingeengt, unfrei und beschränkt, mache ich einfach mein Handgelenk frei und fühle mich um Welten besser. Warum ich überhaupt erst was an meinen Arm dran mache, wenn es mich ab und zu so sehr stört? Nun, das ist ganz einfach. Würde ich nämlich nichts anziehen, hätte ich auch nichts zum ausziehen, um mich dadurch besser zu fühlen.
D A S I S T W I E W E N N M A N S C H L A F E N G E H T , U M M O R G E N S W I E D E R A U F Z U S T E H E N .
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Donnerstag, 10. März 2011
"WÄHREND IHR HETZT, BIN ICH."
Irgendwo auf dieser Welt gibt es einen Mann, der absolut zufrieden ist. Momentan sitzt er inmitten von beschäftigten Leuten, die den ganzen Tag mit ihrem Telefon an den Ohren und einem vollen Terminkalender durch die Stadt rasen, um rechtzeitig zu ihrem Meeting oder zur nächsten S-Bahn zu kommen. Er lächelt.
In einem kleinen Café lässt er sich eine heiße Schokolade schmecken, während die Welt um ihn herum im Chaos versinkt. Die S-Bahn hat Verspätung, das Handy hat den Geist aufgegeben und dieser verfluchte Terminkalender wurde im Büro vergessen; außerdem hat der Chef das Meeting um zwanzig Minuten verschoben, was die komplette Tagesplanung durcheinander wirft.
So kommt es, dass drei gestresste und geladene Geschäftsmänner ebenfalls das Café betreten, um die Zeit zur nächsten S-Bahn, dem verschobenen Meeting oder bis zur Ankunft des Taxis zurück ins Büro zu überbrücken. Am Tisch unseres lächelnden Protagonisten sind noch drei Plätze frei, weswegen die drei Herrschaften mit hochroten Köpfen nicht lange zögern. Vollkommen irritiert von der Ruhe, die den Schokoladentrinker umgibt, können sie sich weder auf ihre Bestellung noch auf die Zeit konzentrieren.
"Sag, wie kommt es, dass du so ausgeglichen bist?", fragen sie staunend und kommen nicht aus dem Kopfschütteln heraus. "Musst du nicht arbeiten? Wie kannst du einfach hier sitzen und lächeln? So ganz alleine... Hast du denn nichts zu tun?" Erst bringt er nur ein erheitertes Lachen zustande, dann antwortet er unbeirrt: "Auch ich habe meine Bahn verpasst. Bis die nächste kommt, dauert es noch eine halbe Stunde. Und die verbringe ich lieber gemütlich im Sitzen, als so gehetzt wie ihr."
Das verstehen die anderen nicht. Erzürnt entgegnen sie, dass sie doch auch hier sitzen und auf die Bahn warten, um dann zu ihren Terminen zu kommen.
"Eben.", antwortet er gelassen, "Das ist das Problem. Ihr sitzt, seid aber eigentlich schon in der Bahn. Wenn ihr in der Bahn seid, seid ihr schon bei eurem Termin und wenn ihr dann euren Termin habt, denkt ihr schon lange darüber nach, was als nächstes getan werden muss. Wenn ich dagegen sitze, sitze ich. Und wenn ich Kakao trinke, trinke ich ihn. Während ich warte, warte ich. So einfach ist das."
Darauf erwidern sie nichts. Stille. Mit offenem Mund denken die drei Gestressten über das Gesagte nach und als sie kurz davor sind, zu verstehen, klingelt irgendwo im Café ein Handy und erinnert sie daran, dass sie dringend noch in einen Fachhandel müssen, um sich vor dem Meeting noch ein neues Handy zu besorgen. Also packen sie ihre Mäntel und rennen aus dem Café heraus ohne sich zu verabschieden, schließlich kommt die nächste S-Bahn schon bald. Wo ist denn nun das nächste Elektronikgeschäft? Immer noch mit hochrotem Kopf verschwinden die drei Gestalten im Tumult der Großstadt, wohlwissend, dass sie ihre nächste S-Bahn auch verpassen werden.
U N T E R D E S S E N G E H T D E R M A N N G E M Ü T L I C H Z U R B A H N U N D S T E I G T E I N.
In einem kleinen Café lässt er sich eine heiße Schokolade schmecken, während die Welt um ihn herum im Chaos versinkt. Die S-Bahn hat Verspätung, das Handy hat den Geist aufgegeben und dieser verfluchte Terminkalender wurde im Büro vergessen; außerdem hat der Chef das Meeting um zwanzig Minuten verschoben, was die komplette Tagesplanung durcheinander wirft.
So kommt es, dass drei gestresste und geladene Geschäftsmänner ebenfalls das Café betreten, um die Zeit zur nächsten S-Bahn, dem verschobenen Meeting oder bis zur Ankunft des Taxis zurück ins Büro zu überbrücken. Am Tisch unseres lächelnden Protagonisten sind noch drei Plätze frei, weswegen die drei Herrschaften mit hochroten Köpfen nicht lange zögern. Vollkommen irritiert von der Ruhe, die den Schokoladentrinker umgibt, können sie sich weder auf ihre Bestellung noch auf die Zeit konzentrieren.
"Sag, wie kommt es, dass du so ausgeglichen bist?", fragen sie staunend und kommen nicht aus dem Kopfschütteln heraus. "Musst du nicht arbeiten? Wie kannst du einfach hier sitzen und lächeln? So ganz alleine... Hast du denn nichts zu tun?" Erst bringt er nur ein erheitertes Lachen zustande, dann antwortet er unbeirrt: "Auch ich habe meine Bahn verpasst. Bis die nächste kommt, dauert es noch eine halbe Stunde. Und die verbringe ich lieber gemütlich im Sitzen, als so gehetzt wie ihr."
Das verstehen die anderen nicht. Erzürnt entgegnen sie, dass sie doch auch hier sitzen und auf die Bahn warten, um dann zu ihren Terminen zu kommen.
"Eben.", antwortet er gelassen, "Das ist das Problem. Ihr sitzt, seid aber eigentlich schon in der Bahn. Wenn ihr in der Bahn seid, seid ihr schon bei eurem Termin und wenn ihr dann euren Termin habt, denkt ihr schon lange darüber nach, was als nächstes getan werden muss. Wenn ich dagegen sitze, sitze ich. Und wenn ich Kakao trinke, trinke ich ihn. Während ich warte, warte ich. So einfach ist das."
Darauf erwidern sie nichts. Stille. Mit offenem Mund denken die drei Gestressten über das Gesagte nach und als sie kurz davor sind, zu verstehen, klingelt irgendwo im Café ein Handy und erinnert sie daran, dass sie dringend noch in einen Fachhandel müssen, um sich vor dem Meeting noch ein neues Handy zu besorgen. Also packen sie ihre Mäntel und rennen aus dem Café heraus ohne sich zu verabschieden, schließlich kommt die nächste S-Bahn schon bald. Wo ist denn nun das nächste Elektronikgeschäft? Immer noch mit hochrotem Kopf verschwinden die drei Gestalten im Tumult der Großstadt, wohlwissend, dass sie ihre nächste S-Bahn auch verpassen werden.
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Mittwoch, 2. März 2011
VORSCHNELLE SCHLÜSSE
In den letzten Tagen bin ich häufig in Gespräche geraten, in denen ein anderer vorschnell geurteilt hat. Da wird jemand wegen einer einzelnen schrägen Aussage verurteilt, aufgrund einer vielleicht ungewohnten Reaktion auf irgendwas wird auf eine Krankheit geschlossen und überall wird fehlinterpretiert und viel zu schnell gewertet.
Wenn ich einen Text von Goethe lese, muss ich nicht sofort darüber nachdenken, ob er mir sprachlich gefällt und ob meine Meinung damit konform geht; ich beginne erstmal damit, ihn zu verstehen. Wenn ich nämlich schon am Verständnis scheitere, kann ich mir den Rest sparen.
Ein anderes Beispiel: Heute sprach ich mit einer Freundin über die Menschenkette vom Atomkraftwerk Neckarwestheim nach Stuttgart, an welcher ich teilnehmen möchte. Ein Unbeteiligter klinkte sich ungefragt ein: "Häh? Warum wollt ihr denn bei etwas GEGEN Atomkraft mitmachen? Ihr habt doch gar keine Gründe dafür." Achso. Wie gut, dass er so etwas schon weiß, dann kann er sich das diskutieren ja sparen. Ob er unsere Gedanken und unsere (scheinbar nicht vorhandenen) Beweggründe vielleicht gerochen hat? Verriet unser Körpergeruch uns? Oder womöglich unsere Augenfarbe?
Schwachsinn. Blöd war das einfach. Und leider ist das nicht nur bei politischen Themen so, wo einige Menschen oft eine fest gefahrene Meinung haben, sondern auch im stinknormalen Alltag.
Allzuoft wird von etwas winzig Kleinem, Unbedeutendem auf einen monströsen Apparat von seltsamen Marotten, familiären Hintergründen oder Dummheit geschlossen. Ich würde mir wünschen, dass es einfach mehr Milde gibt. Wenn die Dinge sachlich und ruhig betrachtet werden und man sich Zeit lässt, ein Urteil zu fällen und sich gründlich eine eigene Meinung bildet, funktioniert doch alles viel besser und man ist obendrein gerechter und muss sich nicht laufend über andere aufregen.
Außerdem gibt man dadurch auch sich selbst die Chance, Menschen kennen zu lernen, die die Welt anders sehen als man selbst.
E S G I B T A U C H N O C H E T W A S Z W I S C H E N G U T U N D B Ö S E .
Wenn ich einen Text von Goethe lese, muss ich nicht sofort darüber nachdenken, ob er mir sprachlich gefällt und ob meine Meinung damit konform geht; ich beginne erstmal damit, ihn zu verstehen. Wenn ich nämlich schon am Verständnis scheitere, kann ich mir den Rest sparen.
Ein anderes Beispiel: Heute sprach ich mit einer Freundin über die Menschenkette vom Atomkraftwerk Neckarwestheim nach Stuttgart, an welcher ich teilnehmen möchte. Ein Unbeteiligter klinkte sich ungefragt ein: "Häh? Warum wollt ihr denn bei etwas GEGEN Atomkraft mitmachen? Ihr habt doch gar keine Gründe dafür." Achso. Wie gut, dass er so etwas schon weiß, dann kann er sich das diskutieren ja sparen. Ob er unsere Gedanken und unsere (scheinbar nicht vorhandenen) Beweggründe vielleicht gerochen hat? Verriet unser Körpergeruch uns? Oder womöglich unsere Augenfarbe?
Schwachsinn. Blöd war das einfach. Und leider ist das nicht nur bei politischen Themen so, wo einige Menschen oft eine fest gefahrene Meinung haben, sondern auch im stinknormalen Alltag.
Allzuoft wird von etwas winzig Kleinem, Unbedeutendem auf einen monströsen Apparat von seltsamen Marotten, familiären Hintergründen oder Dummheit geschlossen. Ich würde mir wünschen, dass es einfach mehr Milde gibt. Wenn die Dinge sachlich und ruhig betrachtet werden und man sich Zeit lässt, ein Urteil zu fällen und sich gründlich eine eigene Meinung bildet, funktioniert doch alles viel besser und man ist obendrein gerechter und muss sich nicht laufend über andere aufregen.
Außerdem gibt man dadurch auch sich selbst die Chance, Menschen kennen zu lernen, die die Welt anders sehen als man selbst.
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Dienstag, 15. Februar 2011
STOPP! ATMEN NICHT VERGESSEN!
Heute bin ich durch den Tag gerauscht wie ein kleiner Wirbelwind. Ob das jetzt gut ist oder nicht, weiß ich nicht so genau. Einerseits habe ich verdammt viel erledigt, andererseits fühle ich mich jetzt auch ganz schön erledigt.
Mir hat heute die Ruhe gefehlt, ich konnte die einzelnen Momente gar nicht richtig in mir aufnehmen und sie nicht genießen, wie ich es gerne getan hätte. Zu viel schwirrte in meinem Kopf herum, zu viel musste getan werden, über zu viel musste ich nachdenken und zu viel wollten einfach alle anderen von mir. Ich konnte mich nicht den Dingen widmen, die ich gerne intensiver erlebt hätte und konnte mich nicht konzentrieren.
Ja, das war es. Das erklärt auch, warum meine Schusseligkeit heute besonders ausgeprägt war: Ich war einfach abgelenkt. Permanent mit den Gedanken schon beim nächsten Schritt, mit meinem Tun aber noch bei der gegenwärtigen Handlung. Nebenher musste ich noch mit der reden, der anderen was erzählen, irgendwas aufschreiben, da schnell hingehen, dem Lehrer noch etwas sagen, das nicht vergessen, jenes unbedingt noch erledigen - "Jule, du musst gleich zum Kieferorthopäden! Jule, Klarinette nicht vergessen! Wouh, ich bin aber spät dran. Und heute Abend noch Koffer packen, gell?"
Ohman. Morgen geht es für eine Woche nach Frankreich. Finde ich das gut? Hm, ich weiß nicht. Ja und nein. Ja, weil es eine Abwechslung darstellen wird und nein, weil... ich einfach gerne hier bin. Mir geht es zur Zeit ziemlich gut.
Ausgenommen heute. Okay, es war ein schöner Tag und es ging mir schon gut, nur eben auf seltsame Weise. Heute war der ultimative Chaostag; dumme Ausrufe, Unfälle und Pannen meinerseits nicht ausgeschlossen.
Wie schön wäre es gewesen, einfach mal kurz die Zeit anzuhalten und zu schreien - ganz laut.
Dann wäre vielleicht wieder alles gut gewesen und ich hätte mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren können, ohne ständig in Tagträume, Schwärmereien und Notizen an mich selbst abzuschweifen.
E I N B I S S C H E N H A L T H Ä T T E M I R G U T G E T A N .
Mir hat heute die Ruhe gefehlt, ich konnte die einzelnen Momente gar nicht richtig in mir aufnehmen und sie nicht genießen, wie ich es gerne getan hätte. Zu viel schwirrte in meinem Kopf herum, zu viel musste getan werden, über zu viel musste ich nachdenken und zu viel wollten einfach alle anderen von mir. Ich konnte mich nicht den Dingen widmen, die ich gerne intensiver erlebt hätte und konnte mich nicht konzentrieren.
Ja, das war es. Das erklärt auch, warum meine Schusseligkeit heute besonders ausgeprägt war: Ich war einfach abgelenkt. Permanent mit den Gedanken schon beim nächsten Schritt, mit meinem Tun aber noch bei der gegenwärtigen Handlung. Nebenher musste ich noch mit der reden, der anderen was erzählen, irgendwas aufschreiben, da schnell hingehen, dem Lehrer noch etwas sagen, das nicht vergessen, jenes unbedingt noch erledigen - "Jule, du musst gleich zum Kieferorthopäden! Jule, Klarinette nicht vergessen! Wouh, ich bin aber spät dran. Und heute Abend noch Koffer packen, gell?"
Ohman. Morgen geht es für eine Woche nach Frankreich. Finde ich das gut? Hm, ich weiß nicht. Ja und nein. Ja, weil es eine Abwechslung darstellen wird und nein, weil... ich einfach gerne hier bin. Mir geht es zur Zeit ziemlich gut.
Ausgenommen heute. Okay, es war ein schöner Tag und es ging mir schon gut, nur eben auf seltsame Weise. Heute war der ultimative Chaostag; dumme Ausrufe, Unfälle und Pannen meinerseits nicht ausgeschlossen.
Wie schön wäre es gewesen, einfach mal kurz die Zeit anzuhalten und zu schreien - ganz laut.
Dann wäre vielleicht wieder alles gut gewesen und ich hätte mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren können, ohne ständig in Tagträume, Schwärmereien und Notizen an mich selbst abzuschweifen.
E I N B I S S C H E N H A L T H Ä T T E M I R G U T G E T A N .
Mittwoch, 9. Februar 2011
MACH EINEN VOGEL AUS MIR!
Manchmal wünsche ich mir, einfach verschwinden zu können. Plopp - und weg! Dafür beneide ich die Vögel. Sie sind frei, können jederzeit davon fliegen. Wenn es ihnen im Winter zu kalt wird, hält sie nichts mehr hier in den mittleren Breiten. Lockt sie der süße Gesang eines anderen Vogels, zwitschern sie zurück und gesellen sich zu den Gleichgesinnten. Sie bauen ihr Nest, wo sie wollen und erleben die Welt aus einer... erhabenen Position heraus.
Wie schön wäre es, wenn ich mich einfach in einen Vogel verwandeln könnte, wenn mir danach ist? Oft fühle ich mich in der Schule eigesperrt, von den Wänden der Räume eingeengt und von Menschenmassen überrollt. In solchen Situationen wäre es doch wirklich herrlich, in die Lüfte aufzusteigen und im Wind zu gleiten wie eine Feder.
Ich liebe den Gedanken, für einige Stunden überall hin zu fliegen, wo ich möchte. Ohja, das wäre wundervoll.
L E I D E R B L E I B T D I E S E I N W O L K E N K U C K U C K S H E I M .
Wie schön wäre es, wenn ich mich einfach in einen Vogel verwandeln könnte, wenn mir danach ist? Oft fühle ich mich in der Schule eigesperrt, von den Wänden der Räume eingeengt und von Menschenmassen überrollt. In solchen Situationen wäre es doch wirklich herrlich, in die Lüfte aufzusteigen und im Wind zu gleiten wie eine Feder.
Nicht ohne Grund ist die Taube ein Friedenssymbol. Sie ist auch ein Vogel, schwebt durch die Lüfte und kann Botschaften versenden. Da oben gibt es keine Autostaus, es gibt keinen höllischen Lärm und auch im Idealfall kein Gestank wie unten auf der Erde. Ein Vogel betrachtet das Geschehen da unten mit einem gewissen Abstand, der eine viel höhere Objektivität möglich macht."Dear God, make me a bird, so I can fly far - far far away from here." - Forrest Gump
Ich liebe den Gedanken, für einige Stunden überall hin zu fliegen, wo ich möchte. Ohja, das wäre wundervoll.
L E I D E R B L E I B T D I E S E I N W O L K E N K U C K U C K S H E I M .
Samstag, 23. Oktober 2010
ZU GOLD GELIEBTES LEBEN
H e r b s tVON CHRISTIAN MORGENSTERN
Zu Golde ward die Welt;
zu lange traf
der Sonne süßer Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig
dich, Welt, hinab.
Bald sinkt's von droben dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu -
und bringt dir Ruh,
o Welt,
o dir, zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.
Okay, ich gebe es zu. Ich habe dieses Gedicht nicht zufällig irgendwo gelesen und fande es schön, ich habe aktiv nach einem Herbstgedicht gesucht. Und da habe ich das hier gelesen und es hat mich fasziniert. Die Sprache ist wunderbar, der Inhalt sowieso.
Wie schön ist denn bitte die vorletzte Zeile? "Zu Gold geliebtes Leben". Wow. Sonst sind Herbstgedichte immer so deprimiert und niedergeschlagen, es wird von eingeschlafenem Leben, vergangener Schönheit und zerstörter Pracht geredet und was ist hier? Das Leben ist nicht zu Braun verwelkt, es ist zu Gold geliebt.
Die Welt schläft nicht deprimiert und niedergeschlagen ein, ihr wird Ruhe gegönnt. Die Sonne hat die Natur so lange verwöhnt, dass diese sich eine Pause verdient hat.
Die Welt verfällt im Herbst nicht etwa in eine graue Depression, sondern in eine selige Ruhe, um im Frühjahr dann wieder aufzuwachen, die Sonnenstrahlen wieder freizulassen und ein neues Jahr beginnen zu lassen.
J E D E R B R A U C H T M A L E I N E P A U S E .
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