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Montag, 21. März 2011

ICH BIN DER HERR MEINER HANDSCHELLEN

Ich fühle mich gut. Mag man mir vielleicht nicht sofort glauben, wenn man meine letzten drei Artikel gelesen hat, aber es ist so. Gerade der letzte Artikel war mehr eine Gedankenspielerei, eine Sammlung an wunderbaren Zitaten und eine Erinnerung daran, was hinter jedem von uns liegt und auch auf jeden von uns noch wartet.Doch jetzt bin ich erstmal in der Gegenwart. Hier und jetzt, Montag Abend im Wohnzimmer und so müde, dass ich nur die Augen kurz schließen müsste, um sofort zu schlafen.
Ich bin sechzehn, sitze momentan nicht ganz so gemütlich und schreibe. Ich höre auch Musik nebenher und trage Socken, was mich enorm stört. Einen Moment, bitte.
So, jetzt ist es besser. Ich schlafe auch niemals mit Socken. Das liegt teils natürlich daran, dass ich generell ziemlich viel Wärme in mir habe und mir viel zu langsam kalt wird, aber auch daran, dass ich mich eingesperrt fühle.
Ich habe mal gehört, das habe was mit dem Kreislauf zu tun und mit dem Blut, das durch die Socken ein wenig am Fluss gehindert wird, doch bin ich mir da nicht so sicher. Es liegt vielleicht auch daran, doch kenne ich meinen verkopften Kopf gut genug, um eine weitere Erklärung zu haben.
Mit Uhren und Armbändern geht es mir nämlich gleich. Fühle ich mich eingeengt, unfrei und beschränkt, mache ich einfach mein Handgelenk frei und fühle mich um Welten besser. Warum ich überhaupt erst was an meinen Arm dran mache, wenn es mich ab und zu so sehr stört? Nun, das ist ganz einfach. Würde ich nämlich nichts anziehen, hätte ich auch nichts zum ausziehen, um mich dadurch besser zu fühlen.

D A S   I S T   W I E   W E N N   M A N   S C H L A F E N   G E H T ,   U M   M O R G E N S   W I E D E R   A U F Z U S T E H E N .

WEINEN, SCHREIEN, LEIDEN

"Schreiben: Ein Schrei gegen das Verderben! - das ist es genau. Nicht ein Protest - ein Schrei." - Katherine Mansfield

Wenn ich schreibe, bitte ich nicht um eine sofortige Veränderung und verlange auch nicht sofortiges Handeln meiner Leser, sondern teile mich erstmal nur mit. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf und schreie sie hinaus in die Welt, ohne meinen Mund auch nur aufzumachen. Ich kann vollkommen verstehen, wenn Leute Schreiben als anstrengend oder lästig empfinden, doch ich liebe es. Es hilft mir. So insgesamt. Es hilft mir, meine Gedanken zu ordnen und das zu sagen, wozu ich im Alltag nicht komme.

"Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, dessen Lippen so geformt sind, dass sein Seufzen und Schreien sich in schöne Musik verwandelt, während sich in seiner Seele geheime Qualen verbergen."  Søren Kierkegaard  

Dem ist nichts hinzuzufügen.

"Ich weine wohl oft bittre, bittre Tränen, aber eben diese Tränen sind es, die mich erhalten." - Susette Gontard

Ich will auch mal traurig sein dürfen. Den ganzen Tag nur grinsend durch die Gegend zu laufen ist zwar wirklich angenehm und macht Spaß, doch manchmal geht das einfach nicht. Mal die Seele baumeln lassen, abschalten. Auf die Stimme in meinem Herzen hören kann nämlich auch mal bedeuten, dass ich einfach nicht mehr lauthals lachen möchte. Wenn sie schlechte Gefühle anstauen, müssen diese raus. Und was ist da besser geeignet, als Tränen? Es gibt wohl nicht viel. All der Schmerz, der Kummer und die Sorgen bündeln sich in den Tränen und verlassen die Augen, um über das Gesicht zu rollen und am Kinn schließlich den Absprung in die Welt zu wagen, um mich endgültig zu verlassen. Oder habt ihr vergossene Tränen etwa schon mal wieder eingesammelt und wieder zurück genommen?
Was da ansonsten gut geeignet wäre? Worte.

"Ich weine - meine Träume fallen in die Welt." - Else Lasker-Schüler

"Ich beeile mich, über alles zu lachen, aus Furcht, einen Augenblick später darüber weinen zu müssen." - Pierre Augustin de Beaumarchais 

Some people feel the rain. Others just get wet. - Bob Dylan

Mittwoch, 2. Februar 2011

DIE WELT IST EIN STAUBKORN?

Mich lässt der Gedanke nicht los, dass unsere Welt sich nur als winziger Teil in einer kleinen Holzkiste befindet, welche selbst so unbedeutend klein ist und uns doch die Sicht auf den ganzen Rest verdeckt.
Mir ist natürlich bewusst, dass sämtliche Metaphysiker und auch die Kritiker dieser philosophischen Disziplin eben mit solchen Gedankenkonstrukten beschäftigt haben und die Menschheit seit mehreren tausend Jahren absolut keine Antwort gefunden hat und wohl auch nie finden wird; trotzdem fasziniert mich allein die Idee, dass es so viel geben könnte, was wir beschränkten Menschen niemals erkennen werden. Schon allein weil wir solche Vermutungen nicht beweisen können und der Drang, es doch heruas zu finden, uns ewig weiter treiben wird, bleibt das Thema wohl auf ewig aktuell.
Was ist, wenn die Welt, wie wir sie kennen, einfach nur ein eingesperrtes Staubkorn ist? Wissenschaftler und Forscher glauben so viel über das Leben zu wissen, doch können sie allerhöchstens die Wände der kleinen Holzkiste absuchen. Mit unbedeutenden Lupen stolzieren sie umher und untersuchen jede kleinste Faser des Holzes, doch wird sich die Kiste niemals öffnen und wir werden niemals an das helle Licht von außerhalb geraten, weil die Truhe abgeschlossen ist. Ja, möglicherweise gibt es einfach nicht die geringste Chance, die Kiste zu öffnen und nach draußen zu gelangen, in die wahren Weiten des Seins.
Vielleicht ist das aber wirklich alles nur Spinnerei und der Mensch weiß ganz genau Bescheid über alles und sieht die absolute Wahrheit mit seinen fünf Sinnen. Wenn ihr mich fragt, ist dieser Gedanke aber ziemlich arrogant. Das ist wie, wenn jemand über den Gedanken an außerirdisches Leben lacht. Ich bin davon überzeugt, dass der Mensch nicht das intelligenteste Wesen des Alls ist und dass es irgendwo da draußen noch mehr Leben gibt, vielleicht auch in einer anderen Form.
Vielleicht können wir nur hoffen, dass wir nicht das Perfekteste in dieser Welt sind. Menschen töten, Menschen haben so viel Schlechtes angerichtet und werden es weiterhin tun.
Alles was wir tun können, ist weiterhin über die Welt nachzudenken und Stück für Stück zu versuchen, Dinge zu verstehen und zu hinterfragen.

V I E L L E I C H T   Ö F F N E T    S I C H   I R G E N D W A N N   J A   D I E    K I S T E ?

Dienstag, 1. Februar 2011

HÖREN WIR MIT DEM HERZEN!

Wenn ihr wirklich etwas zu sagen habt, sagt es. So viele Menschen da draußen reden so viel und sagen schlichtweg nichts. Gerade in letzter Zeit häufen sich die Sätze ohne Aussage in meiner Umgebung und ich frage mich, warum die größten Dummköpfe eigentlich immer am meisten plappern. Darum geht jetzt die Bitte heraus an alle, die sich auch mal gerne durchsetzen würden oder das letzte Wort niemals an sich reißen: Steht auf und sagt, was ihr denkt!
Fühlt ihr euch unterdrückt, lasst das die anderen spüren und macht den Mund auf! Versucht, Verbündete zu finden und geht gemeinsam gegen Ungerechtigkeiten vor. Man wir euch zuhören, wenn ihr es mit Nachdruck vermittelt. Ich hoffe es so sehr, bitte enttäuscht diese Hoffnung nicht. Enttäuscht euch selbst nicht. Natürlich wird es immer Leute geben, die blockieren, zerstören und verletzen, aber gebt nicht auf! In uns allen steckt ein Rebell, der nur darauf wartet, für Gerechtigkeit und gegen leere Worthülsen, Lügen und Oberflächlichkeit vorzugehen.
Eines Tages werden selbst die Stummen Gehör finden. Ich möchte ihnen zuhören, jederzeit.

Freitag, 7. Januar 2011

INSPIRATION IST EIN GESCHENK.

Inspiration - Was ist das? Wird sie uns geschenkt oder müssen wir sie selbst finden? Diese Energie, die uns durchströmt und uns dazu bringt, etwas zu erschaffen, etwas anzupacken oder uns etwas auszudenken; die uns dazu zwingt zu siegen, sie schlummert wohl in jedem von uns. In jedem Erwachsenen steckt ein Kind, dass sich wundern kann und sich begeistern lässt. Jeder Mensch hat die Gabe, irgendetwas besonders schön zu finden. Manchmal brauchen wir eben nur Anstöße von außen, um uns der Schönheit dieser Welt bewusst zu werden. Wir hören, sehen, riechen, fühlen etwas und plötzlich erscheint uns alles klarer, wir können den Moment beinahe berühren, so klar und rein ist er. Es gibt gar keine Alternative zum sofortigen Handeln: Irgendeine Macht tief in unserem Herzen bringt uns dazu, kreativ zu sein und über gewisse Dinge nachzudenken.
Das ist Inspiration.
Mich hat gestern dieser wunderbare Film inspiriert, außerdem das herzzereißende Lied von Don McLean und die Farbe des rötenden Abendhimmels. Heute schenkte mir eine gute Freundin Inspiration und ich glaube und wünsche mir zutiefst, dass es so weiter geht. Ich freue mich wahnsinnig auf den Frühling und erwarte mit Spannung die ersten Knospen draußen und diesen Geruch, der im Frühjahr in der Luft liegt und eine sonnige Zeit, Vogelgezwischter und die ersten warmen Tage verspricht.
Auch die kühle Januarluft hat etwas Zauberhaftes an sich, ganz zu schwigen vom eisigen Wind. Ich liebe Wind und Wetter, ich liebe überhaupt jede Art von Erscheinung, die einen das Leben richtig spüren lässt.
Vielleicht ist Inspiration ja auch einfach das: Eine Erinnerung daran, dass man lebt.


 I N S P I R A T I O N   I S T   E I N   G E S C H E N K .

Mittwoch, 5. Januar 2011

LEUCHTENDES GLÜCK

Heute habe ich zu meinem Geburtstag einen Film geschenkt bekommen, der mich wahnsinnig inspiriert hat. Es geht um einen zutiefst traurigen Mann, der die Liebe seines Lebens verloren hat und keinen Sinn mehr in seiner eigenen Existenz sieht. Die ganze Welt um ihn herum ist grau und man bekommt mit, wie er sich seine Waffe bereit legt und einige Methoden und Stellungen ausprobiert, denn am Abend will er sich das Leben nehmen. Nun muss er zuvor noch seinem Beruf an der Universität nachgehen, er trifft einige Menschen und abends besucht er noch eine gute Freundin und mit der Zeit erkennt er, dass sein Leben doch lebenswert ist. Er spürt nach und nach wieder die Schönheit eines winzigen Moments und empfindet Dinge, die er früher als störend betrachtete, als wunderschön und Stück für Stück wird seine Welt bunter und leuchtender.

Stellen wir uns doch einfach mal vor, wir würden in einer grauen Welt aufwachen und jedes kleinste Detail, das uns auffällt und das wir mögen, wo unsere Aufmerksamkeit hängen bleibt und dem wir auf irgendeine Art ein Stückchen Liebe schenken, fängt an zu leuchten. Das nette Lächeln unserer alten Nachbarin leuchtet, die gewuchterten Gänseblümchen im sonst so perfekten Vorgarten leuchten und vielleicht leuchtet auch einfach ein Fremder, der uns inspiriert.
Vincent Van Gogh - Starry Night
Was für eine Welt wäre das? Für jeden würden andere Dinge leuchten und vielleicht können wir gar nicht nachvollziehen, dass jemand den Müll auf der Straße wunderschön finden kann. Aber es ist so: Jeder hätte am Ende des Tages eine ziemlich helle Welt. Nun stellt sich eine Frage: Ist die Welt derjenigen am hellsten, die ständig mit einem Grinsen durch die Gegend laufen und sich schlicht für alles und jeden begeistern können? Sind diese Menschen die glücklichsten und leben sie in der hoffnungsvollsten und buntesten Welt? Ich denke nicht.
Solch beinahe verstörenden Gutelaunebolzen, die schon morgens mit einem fetten Grinsen umher stolzieren und diese gefälschte Fröhlichkeit bis abends nicht ablegen, haben vermutlich wirklich die leuchtendste Welt, allerdings wäre sie auch sehr grell. Es gäbe keine Unterschiede mehr und die kleinen Dinge des Lebens gingen verloren. Ich stelle mir eine vor Liebe leuchtende Welt wunderschön vor, ein Glühwürmchen in einem dunklen Keller ist allerdings um Längen angenehmer, als ein Raum mit Flutlichtstrahlern und künstlichen Leuchtstoffröhren.

D A S   L Ä C H E L N   W Ä R E   I N   M E I N E R   W E L T   W O H L   D E R   H E L L S T E   F L E C K .

Sonntag, 19. September 2010

ECXUSE ME, CAN I TRUST YOU?

Vor zwei Tagen hatte ich wunderbare Ideen für einen Blogeintrag über Liebe im Kopf, gestern schwirrten Formulierungen über Freiheit in meinen Gedanken. Allerdings bin ich leider nicht dazu gekommen, sie aufzuschreiben. Heute aber habe ich einige Gespräche geführt, die mich diese Schwelle endgültig übertreten ließen und mich dazu bewegten, dass ich nun wirklich mal wieder blogge.

Wie kommt es, dass wir Menschen, die wir gar nicht kennen, Dinge anvertrauen, die unser Leben bestimmen?
Vielleicht, weil wir diese Menschen nicht kennen. Wir haben keine gemeinsame Vergangenheit, nichts, was wir mit ihnen verbinden. Ich weiß nicht, wie es euch geht; aber wenn ich so über die Personen in meinem Umfeld nachdenke, fällt mir zu nahezu jeder eine negative Erinnerung ein. Natürlich viel mehr gute, viel mehr wunderbare, aber eben auch ein paar negative. Möglicherweise sind es genau diese Narben, die 'fremde' Menschen eben noch nicht haben. Weil sie uns noch nie enttäuscht haben, erscheinen sie uns vertrauenswürdig.
Oder liegt es vielleicht schlicht und einfach daran, dass wir den Moment nutzen, jetzt endlich darüber reden müssen und niemand Bekanntes, Befreundetes in Reichweite ist?
Wir vertrauen uns den Menschen an, denen wir vertrauen. Es dauert einige Zeit, bis wir Bekannten wirklich vertrauen können, und dann nennen wir sie Freunde. Aber würde ich wirklich jedem meiner Freunde blind folgen? Und vor allem: Warum verdammt nochmal gibt es dann auch dieses spontane Vertrauen, das wir in Fremde legen?
Ich denke, diese Art von Vertrauen ist keine echte. Sie ist vielleicht eine Spiegelung des wahren Vertrauens, ein Schatten. Eine Illusion. Sie ist ein stiller Schrei, der Ausdruck unserer Sehnsucht. Wie sehnen uns nach unseren Freunden (ich meine damit die wirklichen Freunde) und übertragen all das, was wir mit ihnen verbinden, auf den Fremden. Und damit auch - entschuldigt meine elendigen Wortwiederholungen - das Vertrauen.
Nunja, das ist ein trauriger Gedanke. Findet ihr nicht? Das klingt nach vereinsamtem, alleingelassenem und verzweifeltem Etwas. Was ich vielleicht noch hinufügen sollte: So etwas, wie das Übertragen von Werten der Freunde auf eine x-beliebige andere Person, kommt nur höchst selten vor, ist quasi nur der Ausnahmefall und auf alle Fälle ein Zeichen von Schwäche. Und damit wäre ich wieder am Anfang meiner Erklärung angekommen: Es ist ein stiller Schrei nach Hilfe.

M I R   V E R T R A U T E   H E U T E   E I N   F R E M D E R .

Samstag, 11. September 2010

ES GIBT DINGE, DIE UNVERMEIDBAR SIND

Ein kleines Mädchen hüpft in ihrem Sommerkleidchen gut gelaunt durch die Herbstsonne und wirft ihren rot gepunkteten Ball immer wieder in die Luft. Sie summt die Melodie eines Liedes, das sie irgendwo mal gehört hat. Auf der Straße ist sonst nichts los, sie ist ganz alleine mit ihrer Unbeschwertheit und ihrem Ball. Auf einmal sieht sie einen Schmetterling am Straßenrand entlang fliegen, der ihre Aufmerksamkeit voll und ganz raubt. Sie konzentriert sich nicht mehr auf den Ball, er fällt auf die Erde. Dem kleinen Mädchen aber ist das egal, sie läuft langsam auf den Schmetterling zu, der sich auf einer welken Blume abgesetzt hat. Mit ihren großen blauen Augen betrachtet sie das Tierchen genau und geht in die Knie, um es besser erkennen zu können.
Im selben Moment verlässt ein etwa sechzigjähriger, gebückter Mann den Supermarkt am Ende jener Straße und ist bemüht, noch rechtzeitig mit seinen zwei großen Einkaufstüten voll Makkaroni und Gemüse nach Hause zu kommen. Was er in seiner Hektik nicht wahrnimmt, ist der rote Ball, den das Mädchen verloren hatte und der jetzt still und unauffällig auf dem nassen Bordstein herumliegt. Es kommt, wie es kommen muss: Der alte Mann stolpert über den Ball und sämtliche Einkäufe verteilen sich auf dem Boden.
Am nächsten Tag erinnert nur noch eine zertretene Tomate an den gestrigen Vorfall; das Mädchen war mit seinem Ball nach Hause gerannt und der alte Herr hatte seine Einkäufe wieder aufgesammelt, allerdings hatte er diese Tomate eben übersehen. Einsam liegt sie am Straßenrand: Matschig und vergessen.
Eine Ameisenkolonie aber, die sich zufällig auf der Wiese, an dem am Vortag der kleine Schmetterling das Mädchen abgelenkt hatte, gerade einen Bau eingerichtet hatte, fand Gefallen an dem saftigen Biomüll und legte ihre Route quer über die Straße, um die Tomate abzutransportieren. Dann geschah etwas, das seit Monaten nicht mehr geschehen war: Ein großes Transportauto einer Logistikfirma fuhr die eigentlich verlassene Straße entlang, immer geradewegs auf die beschäftigte Ameisenmasse zu! Der Fahrer, zufälligerweise engagierter Tierschützer und außerdem sehr gemütlicher Mensch, bemerkte das. Er stellte das Radio ab, bremste und stieg aus. Interessiert musterte er die Ameisenstraße und war wieder mal fasziniert von den Riesenkräften, die diese kleinen Tierchen manchmal entwickelten. Da er so begeistert von den Ameisen war, beschloss er einen Umweg zu fahren. Die enorme Arbeit musste gesichert und der reibungslose Abtransport der Tomate gesichert werden.
Also kehrte der übrigens achtunddreißigjährige Logistiker um und fuhr einen großen Bogen um die Straße der Ameisen. Er tötete dabei eine Obstfliege, drei Kellerasseln, einen halben Regenwurm (ob der noch lebte oder nur zappelte, ist unklar), eine zu langsame Ameise und merkte nichts davon.
Im selben Moment  heiratete jemand, starb jemand, wurde jemand geboren, hatte jemand seinen ersten Kuss, bekam jemand Depressionen diagnostiziert, wurde jemand von Krebs geheilt, infizierte sich jemand mit HIV, lag jemand auf einer Blumenwiese, beobachtete jemand die Sterne, träumte jemand vom Schlaraffenland, erdrosselte jemand seinen Teddybär, weinte ein Baby, freute sich ein Junge über eine neue Spielkonsole, brach jemand seinen persönlichen Rekord von Tetris oder wahlweise auch Pacman, regte sich jemand über den Staat auf, hatten zwei Meerschweinchen Sex, ertrank ein Tier im pazifischen Ozean, wurde jemand begraben, hörte jemand ein Musikstück von den Beatles und es trank auch jemand einen Cappuccino mit extra viel Milch.
Quelle: Wikipedia

U N D  W E N N   D E R   M A N N   K E I N E  T O M A T E N  G E K A U F T   H Ä T T E?

Donnerstag, 26. August 2010

DIE WELT IST EIN TENNISBALL

Ich hatte heute einen wahnsinnigen Spaß mit drei Freunden. Ich bin durch die Gegend meiner Kindheit gestapft und habe nach einer guten Stunde Kampf es endlich geschafft, die Strohballen zu erklimmen.
Allerdings soll sich dieser Blogeintrag nicht primär um diesen wunderbaren Teil meines Tages drehen, sondern um ein schönes Gespräch, das ich mit zwei... Bekannten geführt habe. Maya und Janina, vor einem Monat sechs Jahre alt geworden. Ich will schon mal vorrausschicken: Kinder sind so schlau!
Für die beiden war es schon recht spät an diesem Abend, ungefähr neun Uhr, vielleicht auch halb zehn. Jedenfalls kam Janina nach endlosen Brettspielpartien, Bücherlesen und fröhlich-auf-Jule-Rumturnen auf die Idee, wir könnten ja Schule spielen! Ich konnte nicht sofort auf diesen (genialen) Einfall antworten, weil ich der Mutter und der Tante der beiden Mädchen gerade von meiner Parisreise erzählte.
Als ich vom Foucaultschen Pendel im Panthéon sprach, mit dem der Herr Foucault irgendwann im neunzehnten Jahrhundert nachwies, dass die Erde sich dreht.
"WAS? Aber warum fallen wir denn dann nicht runter?" Süß. Wirklich süß, diese Janina. :) Maya, die damit beschäftigt war, mit einem Tennisball um sich zu werfen, brachte mich auf eine Idee.
"Komm, ich erklär dir das. Bring mir mal den Tennisball und ein Bauklötzchen, bitte."
Und so begann die lustige Jule-erklärt-die-Welt-Sitzung. Janina auf meinem Schoß, in ihrer Hand ein gelber Holzklotz. "Das ist die Sonne. Und ich... ich habe hier die Erde in der Hand. Die Erde ist der Tennisball."
Wie das funktioniert mit der Erdrotation und der Gravitation und dem Magnetfeld der Erde und so weiter, das wisst ihr ja (hoffentlich). Also erspare ich euch das jetzt. Aber ich hatte wirklich Spaß daran, dass alles mit diesem Tennisball zu erklären und auch Janina schien es sehr interessiert zu haben.
Und der Tennisball half uns noch in mehr Punkten weiter.
"So, und jetzt bist du Frau Lehrerin. Wir spielen Schule."
Ohmann. Bis die Beiden sich auf einen Namen für mich geeinigt hatten, hatten sie ihre Vorschläge schon wieder vergessen. Frau Klara, Frau Klari, Frau Tennisball, Frau Tennis, Frau Tenn, Frau Tenni und schließlich - dabei blieb es dann auch: Jule.
Wir führten ein relativ langes Gespräch über Tennisbälle und dadurch irgendwie über das Leben. Maya konnte sich nicht recht konzentrieren (machte sich zum Beispiel Sorgen um ihren Holzhund und dachte darüber nach, ob die Feuerwehr schnell genug da wäre, wenn das Schulhaus abbrennen würde), aber Janina und ich kamen auf so manch lehrreiche Antwort. Natürlich war alles sehr sehr kindlich und vereinfacht dargestellt, aber dennoch.
"Ein Tennisball, welche Form hat denn der?"
- "Rund!"
"Ja, und was ist noch rund?"
- "Äh... der Deckel von der Flasche da hinten! Und die Rollen von Mayas Hund! Und mein Kopf."
"Kann man mit deinem Kopf Tennis spielen?"
- "Dann müsste man ihn abschneiden!"
"Ja, das stimmt. Aber dann könnte man doch Tennisspielen, oder?"
- "Ich brauch mein Kopf aber, weil der meine Augen hält! Die sind auch rund. Aber die sind zum gucken, nich zum Tennisspielen, Jule!"
"Da hast du Recht. Und der Deckel der Flasche?"
- "Den braucht man, damit keine Bakterien ins Trinken kommen. Und dass es net verschüttet, wenn die Flasche umkippt. Und die Blumen braucht man für den Honig. Und den Baum für Luft zum Atmen für uns."
"Warum spielt man mit einem Hund nicht Tennis, Janina?"
- "Weil er sich dann verletzen könnte und man seine Gefühle verletzt."
"Jeder hat seine Aufgabe und jeder kann etwas gut."
- "Ich kann puzzlen!"
"Was kannst du denn gut, Maya?"
(endich hatte ich auch ihre Aufmerksamkeit): "Malen! Ich bin ein Künschtler!"
Wir haben mithilfe eines simplen Tennisballs über physikalische Gesetze, über philosophische Fragen (ein Stück weit sogar über den Sinn des Seins), über ethische Grundsätze und über die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft geredet. Und das mit einer Sechsjährigen! Ich war ehrlich beeindruckt.
Und was das schönste war: Janina ist eben wirklich noch ein Kind und sieht die Welt in einer naiven Einfachheit. Auf die Frage von Maya, warum ein Tennisball denn diese weiße, geschwungene Linie habe, meinte Janina lächelnd und als sei es das Selbstverständlichste der Welt: "Weil es mit Muster schöner aussieht."

D I E   W E L T   G E H Ö R T   I N   K I N D E R H Ä N D E !

Dienstag, 24. August 2010

SPECTACULUM

Ohman, bin ich gerade froh! :D Wahrscheinlich klingt es nicht so genial, warum ich gerade hier sitze und grinse wie eine Blöde, aber Mensch! Ich war ja schon verdammt froh, weil heute mit der Post Warten auf Godot von Samuel Beckett ankam, und was macht mein Vater? Er kommt mit einem fetten Karton voll mit blauen Büchern reinsapziert, drückt sie mir in die Hand mit den Worten:
"Das muss doch ne Fundgrube sein für dich."
Ich hab jetzt fünfzehn (!) Bände mit je fünf Theaterstücken von den unterschiedlichsten Schriftstellern. Dürrenmatt, Frisch, Brecht, Beckett, Walser und verdammt viele, die ich noch gar nicht kenne! :D Oh, da hab ich viel zu Durchstöbern. Nach diesem Post werde ich mich auch verkrümeln und mal 'die Lage sichten'. :D

Oh, als ich heute nichtsahnend in den Obi marschiert bin, um mir eine Korkplatte zu besorgen (die ich morgen zu einer Pinwnand umfunktionieren werde) stieß ich auf ein merkwürdiges Angebot. Es ist vielleicht das beste Angebot, das der Menschheit je gemacht wurde und jedem, der jetzt meine Empfehlung liest, sollte sich glücklich schätzen.
 Das Angebot, von dem ich spreche, gibt es in verschiedenen Preisklassen. Von 9,99 € zu 46,95 € war wirklich alles dabei. Die Maßeinheit ist... Liter. Bevor ich auf das Angebot stieß, wusste ich das nicht, aber man muss freilich aufgeschlossen sein!
Ohje, viele viele Probleme der Menschen dieser Welt könnten gelöst werden, wenn jeder von diesem Angebot wüsste. Einige Beziehungsprobleme, Berufsprobleme und Identitäsängste könnten damit beseitigt werden. Für genügsame Menschen gibt es das Wundermittel in 1 Liter - Packungen, für bedürftigere auch in 20 Liter - Packungen.
Wovon ich spreche?

Tiefgrund! Wie schön wäre das: Jeder bewaffnet sich mit solch einem Container und die Gespräche werden tiefgründiger, die Gedanken weniger oberflächlich. Dass dieser Tiefgrund für Oberflächen gemacht ist, ist ja schließlich kein Zufall. :D

T I E F G R U N D   F Ü R   A L L E !